
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
6 Als Jesus in Betanien war, im Hause Simons des Aussätzigen, 7 kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm und goss es über sein Haar, während er zu Tisch lag. 8 Als die Jünger das sahen, wurden sie ärgerlich und sagten: Wozu diese Verschwendung? 9 Das hätte man teuer verkaufen und den Erlös den Armen geben können. 10 Als Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: Was kränkt ihr die Frau? Sie hat doch eine gute Tat an mir getan. 11 Denn Arme habt ihr ja allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12 Als sie dieses Salböl über meinen Leib goss, hat sie es für mein Begräbnis getan. 13 Amen, ich sage euch: Wo immer auf der ganzen Welt dieses Evangelium verkündet wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.
(de Cons. Ev. ii, 79.) Obwohl die bei Lukas beschriebene Handlung dieselbe ist wie die hier beschriebene, und der Name dessen, bei dem der Herr zu Gast war, derselbe ist, denn auch Lukas nennt Simon; da es jedoch weder der Natur noch dem Brauch widerspricht, dass zwei Männer denselben Namen tragen, ist es wahrscheinlicher, dass dies ein anderer Simon war, nicht der Aussätzige, in dessen Haus in Bethanien diese Dinge geschahen. Ich möchte nur annehmen, dass die Frau, die bei jener Gelegenheit zu Jesu Füßen kam, und diese Frau nicht zwei verschiedene Personen waren, sondern dass dieselbe Maria dies zweimal tat. Das erste Mal ist das von Lukas Erzählte; denn Johannes erwähnt es zum Lob der Maria vor Christi Kommen nach Bethanien: Es war jene Maria, die den Herrn mit Salböl salbte und seine Füße mit ihrem Haar trocknete, deren Bruder Lazarus krank war. (Joh 11,2.) Maria hatte dies also zuvor getan. Dass sie es später in Bethanien tat, ist von Lukas' Bericht verschieden, aber es ist dasselbe Ereignis, das von allen drei, Johannes, Matthäus und Markus, aufgezeichnet wird. Dass Matthäus und Markus sagen, sie habe das Haupt des Herrn gesalbt, und Johannes seine Füße, wird dadurch ausgeglichen, dass man annimmt, sie habe beide gesalbt. Dagegen könnte man einwenden, was Markus sagt, dass sie sein Haupt salbte, indem sie das Gefäß darüber zerbrach, so dass kein Salböl mehr übrig blieb, um auch seine Füße zu salben. Ein solcher Einwender möge verstehen, dass seine Füße zuerst gesalbt wurden, bevor das Gefäß zerbrochen wurde, und dass darin noch genug übrig blieb, ganz, womit das Haupt gesalbt werden konnte, indem man das Gefäß zerbrach und den Inhalt ausgoss.