
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 25
31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. 32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken. 34 Dann wird der König zu denen auf seiner Rechten sagen: Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz, das euch seit Grundlegung der Welt bereitet ist. 35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gereicht; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; 36 ich war nackt und ihr habt mich bekleidet; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. 37 Da werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann sahen wir dich hungrig und haben dir zu essen gegeben oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und aufgenommen oder nackt und dich bekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch zu denen auf der Linken sprechen: Hinweg von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. 42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; 43 ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mich nicht bekleidet; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 45 Da wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was immer ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Beachte, wie sie in der Barmherzigkeit versagt hatten, nicht nur in ein oder zwei Punkten, sondern in allen; nicht nur gaben sie Ihm nicht zu essen, als Er hungrig war, sondern sie besuchten Ihn nicht einmal, als Er krank war, was leichter gewesen wäre. Und sieh, wie leichte Dinge Er auferlegt; Er sagte nicht: Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich nicht befreit, sondern: und ihr habt mich nicht besucht. Auch verlangte Sein Hunger keine kostbaren Leckerbissen, sondern notwendige Nahrung. Jeder dieser Punkte ist also für ihre Bestrafung ausreichend. Erstens die Geringfügigkeit Seiner Bitte, nämlich um Brot; zweitens die Mittellosigkeit Dessen, der es suchte, denn Er war arm; drittens die natürlichen Gefühle des Mitleids, denn Er war ein Mensch; viertens die Erwartung Seiner Verheißung, denn Er verhieß ein Reich; fünftens die Größe Dessen, der empfängt, denn Gott ist es, der im Armen empfängt; sechstens die hervorragende Ehre, dass Er sich herabließ, von Menschen zu nehmen; und siebtens die Gerechtigkeit einer solchen Gewährung, denn was Er von uns nimmt, ist unser eigenes. Aber die Habgier macht die Menschen blind für alle diese Erwägungen.