
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 22
34 Als die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie zusammen, 35 und einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, fragte ihn, um ihn auf die Probe zu stellen: 36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? 37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Vernunft. 38 Das ist das wichtigste und erste Gebot. 39 Das Zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten.
(De Doctr. Christ. i. 30. et 26.) Aber da die göttliche Substanz vortrefflicher und höher ist als unsere Natur, ist das Gebot, Gott zu lieben, verschieden von dem, den Nächsten zu lieben. Wenn du aber unter dir selbst dein ganzes Selbst verstehst, das heißt sowohl deine Seele als auch deinen Körper, und in gleicher Weise unter deinem Nächsten, so ist keine Art von Dingen, die zu lieben sind, in diesen Geboten ausgelassen. Die Liebe zu Gott steht an erster Stelle, und ihre Regel ist uns so dargelegt, dass alle anderen Lieben in ihr zentriert werden, so dass nichts über die Liebe zu sich selbst gesagt zu sein scheint. Aber dann folgt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, so dass die Liebe zu sich selbst nicht ausgelassen ist.