
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 22
34 Als die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie zusammen, 35 und einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, fragte ihn, um ihn auf die Probe zu stellen: 36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? 37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Vernunft. 38 Das ist das wichtigste und erste Gebot. 39 Das Zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten.
(de Trin. viii. 7.) Da es zwei Gebote gibt, die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten, an denen das Gesetz und die Propheten hängen, setzt die Schrift nicht ohne Grund eines für beide; manchmal die Liebe zu Gott; wie in jenem: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten zusammenwirkt; (Röm. 8,28.) und manchmal die Liebe zum Nächsten; wie in jenem: Das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, nämlich in diesem: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Gal. 5,14.) Und das, weil, wenn ein Mensch seinen Nächsten liebt, daraus folgt, dass er auch Gott liebt; denn es ist dieselbe Zuneigung, mit der wir Gott lieben und mit der wir unseren Nächsten lieben, nur dass wir Gott um seiner selbst willen lieben, uns selbst und unseren Nächsten aber um Gottes willen.