
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 19
16 Es kam ein Mann zu ihm und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen? 17 Er antwortete ihm: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur Einer ist der Gute. Willst du aber das Leben erlangen, so halte die Gebote. 18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis ablegen; 19 ehre Vater und Mutter; und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 20 Der junge Mann erwiderte ihm: Das alles habe ich befolgt, was fehlt mir noch? 21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. 22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig davon; denn er hatte viele Güter.
(Hom. lxiii.) Ich meinerseits aber, obwohl ich nicht leugne, dass er ein Geldliebhaber war, weil Christus ihn als solchen überführt, kann ihn nicht für einen Heuchler halten, weil es unsicher ist, in ungewissen Fällen zu entscheiden, und besonders Anklagen gegen jemanden zu erheben. Zudem beseitigt Markus jeden derartigen Verdacht, denn er sagt, dass er zu Ihm kam und vor Ihm kniete; (Markus 10:17.) und dass Jesus, als Er ihn ansah, ihn liebte. Und wenn er gekommen wäre, um Ihn zu versuchen, hätte der Evangelist dies ebenso vermerkt, wie er es an anderen Stellen getan hat. Oder wenn er nichts davon gesagt hätte, hätte Christus nicht zugelassen, dass es verborgen bliebe, sondern hätte ihn entweder offen überführt oder verdeckt darauf hingewiesen. Das aber tut Er nicht; denn es folgt: Er sprach zu ihm: Warum fragst du mich über das Gute?