
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 18
15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh hin und stelle ihn unter vier Augen zur Rede. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Hört er aber nicht, dann nimm noch einen oder zwei mit dir; denn jede Sache soll durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werden. 17 Hört er aber nicht auf sie, dann sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er dir wie ein Heide und Zöllner.
Es ist zu beachten, dass der Herr bisweilen den Beleidiger zu dem bringt, den er beleidigt hat; wie wenn er sagt: Wenn du dich erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, geh hin, versöhne dich mit deinem Bruder: (Mt 5,23.) ein andermal befiehlt Er dem, der das Unrecht erlitten hat, seinem Nächsten zu vergeben; wie wo er sagt: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. (Mt 6,12.) Hier hat Er noch eine andere Methode ersonnen, denn Er bringt den, der gekränkt wurde, zu dem, der ihn gekränkt hat, und sagt daher: Wenn dein Bruder gegen dich sündigt; denn weil der, der das Unrecht tat, wegen seiner Scham nicht leicht kommen würde, um Wiedergutmachung zu leisten, zieht Er den herbei, der das Unrecht erlitten hat; und nicht nur zieht Er ihn dorthin, sondern mit der Absicht, das Unrecht wiedergutzumachen; daher sagt Er: Geh hin und weise ihn zurecht.