
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 18
15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh hin und stelle ihn unter vier Augen zur Rede. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Hört er aber nicht, dann nimm noch einen oder zwei mit dir; denn jede Sache soll durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werden. 17 Hört er aber nicht auf sie, dann sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er dir wie ein Heide und Zöllner.
(de Civ. Dei, i. 9.) Denn oft meiden wir fälschlich, die Bösen zu lehren und zu ermahnen oder zu tadeln und zu zügeln, sei es, weil die Aufgabe lästig ist, sei es, weil wir ihrer Feindschaft entgehen wollen, damit sie uns nicht in zeitlichen Dingen schaden oder behindern, sei es beim Erlangen von Dingen, die wir begehren, oder beim Festhalten an dem, was unsere Schwachheit zu lieben fürchtet. Wenn aber jemand die Zurechtweisung der Übeltäter unterlässt, weil er eine geeignetere Gelegenheit sucht oder fürchtet, sie schlimmer zu machen, oder dass sie ein Hindernis für das gute und fromme Leben anderer Schwacher sein könnten oder diese betrüben oder vom Glauben abbringen; darin zeigt sich keine Rücksicht auf Habgier, sondern die Klugheit der Liebe. Und viel gewichtigere Gründe haben die, welche den Kirchen vorstehen, damit sie nicht darauf verzichten, die Sünde zu tadeln; obwohl auch der nicht frei von diesem Tadel ist, der, obwohl nicht in Autorität, vieles bei denen weiß, denen er durch die Bande dieses Lebens verbunden ist, was durch Ermahnung oder Zurechtweisung berührt werden sollte, es aber zu tun unterlässt; er meidet ihr Missfallen wegen Dingen, die er in diesem Leben nicht ungebührlich gebraucht, an denen er sich aber ungebührlich erfreut.