
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 18
7 Wehe der Welt wegen der Verführungen! Es müssen ja Verführungen kommen, doch wehe dem Menschen, der die Verführung verschuldet. 8 Wenn dich deine Hand oder dein Fuß zum Bösen verführt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir! Es ist besser, verstümmelt oder lahm in das Leben zu gelangen, als mit beiden Händen oder beiden Füßen ins ewige Feuer geworfen zu werden. 9 Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig ins Leben zu gelangen, als mit beiden Augen in die Feuerhölle geworfen zu werden.
(Hom. lix.) Dies hebt die Freiheit des Willens nicht auf oder erzwingt eine Notwendigkeit irgendeiner Handlung, sondern sagt voraus, was geschehen muss. Ärgernisse sind Hindernisse auf dem rechten Weg. Aber Christi Prophezeiung bringt die Ärgernisse nicht hervor, denn es geschieht nicht, weil er es vorhergesagt hat, sondern er hat es vorhergesagt, weil es sicher geschehen würde. Aber jemand wird sagen: Wenn alle Menschen wiederhergestellt werden und es niemanden gibt, der die Ärgernisse bringt, wird dann seine Rede nicht der Falschheit überführt? Keineswegs; denn da die Menschen unheilbar waren, sagte er deshalb: Es muss ja Ärgernisse geben; das heißt, sie werden sicher kommen; was er nie gesagt hätte, wenn alle Menschen gebessert werden könnten.