
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 14
15 Als es Abend geworden war, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Die Gegend ist einsam und es ist schon spät geworden. Entlass also die Scharen, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen. 16 Doch Jesus sagte zu ihnen: Sie brauchen nicht fortzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie antworteten: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische. 18 Er aber sprach: Bringt sie mir her. 19 Dann ließ er die Scharen sich im Gras lagern, nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach das Segensgebet, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber reichten sie den Volksscharen; 20 und alle aßen und wurden satt. Die übrig gebliebenen Brocken sammelte man auf, zwölf Körbe voll. 21 Die gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder.
Doch auch durch diese Worte wurden die Jünger nicht zurechtgebracht, sondern redeten noch mit ihm wie mit einem Menschen; Sie antworteten ihm: Wir haben hier nur fünf Brote und zwei Fische. Daraus lernen wir die Philosophie der Jünger, wie sehr sie die Speise verachteten; sie waren zwölf an der Zahl, doch hatten sie nur fünf Brote und zwei Fische; denn die Dinge des Leibes wurden von ihnen verachtet, sie waren ganz von geistlichen Dingen erfüllt. Aber weil die Jünger noch ans Irdische gebunden waren, beginnt der Herr, die Dinge einzuführen, die von ihm selbst waren; Er sagte zu ihnen: Bringt sie mir hierher. Warum erschafft er nicht aus dem Nichts das Brot, um die Menge zu speisen? Damit er den Mund des Marcion und Manichäus zum Schweigen bringe, die Gott seine Geschöpfe nehmen (d. h. leugnen, dass Gott die sichtbare Welt erschaffen hat), und durch seine Taten lehre, dass alles Sichtbare seine Werke und Schöpfung sind, und dass er es ist, der uns die Früchte der Erde gegeben hat, der am Anfang sprach: Die Erde bringe das grüne Kraut hervor; (Gen 1,11.) denn dies ist keine geringere Tat als jene. Denn aus fünf Broten so viele Brote zu machen und ebenso aus Fischen ist keine geringere Sache, als Früchte aus der Erde, Kriechtiere und andere Lebewesen aus den Wassern hervorzubringen; was ihn als Herrn sowohl des Landes als auch des Meeres erwies. Durch das Beispiel der Jünger sollen auch wir belehrt werden, dass wir, obwohl wir nur wenig haben, es denen geben sollen, die Not leiden. Denn als sie aufgefordert wurden, ihre fünf Brote zu bringen, sagen sie nicht: Woher sollen wir unseren eigenen Hunger stillen? sondern gehorchen sogleich; Und er befahl der Volksmenge, sich auf das Gras zu setzen, und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf, segnete sie und brach sie. Warum sah er zum Himmel auf und segnete? Denn es sollte von ihm geglaubt werden, dass er vom Vater ist und dass er dem Vater gleich ist. Seine Gleichheit zeigt er, wenn er alles mit Macht tut. Dass er vom Vater ist, zeigt er, indem er ihm alles zuschreibt, was er tut, und ihn bei allen Gelegenheiten anruft. Um diese beiden Dinge zu beweisen, wirkt er seine Wunder bald mit Macht, bald mit Gebet. Es ist auch zu bedenken, dass er bei geringeren Dingen zum Himmel aufsieht, bei größeren aber alles mit Macht tut. Als er Sünden vergab, Tote auferweckte, das Meer stillte, die Geheimnisse des Herzens öffnete, die Augen des Blindgeborenen öffnete, was Werke allein Gottes waren, sieht man ihn nicht beten; aber als er die Brote vermehrt, ein Werk, das geringer ist als jedes dieser, sieht er zum Himmel auf, damit du lernst, dass er auch in kleinen Dingen keine Macht hat außer von seinem Vater. Und zugleich lehrt er uns, unsere Speise nicht zu berühren, bevor wir dem gedankt haben, der sie uns gibt. Aus diesem Grund sieht er auch zum Himmel auf, weil seine Jünger Beispiele für viele andere Wunder hatten, aber für keines von diesem.