
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 13
1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an den See. 2 Große Volksscharen sammelten sich um ihn; deshalb stieg er in ein Boot und setzte sich, während das ganze Volk am Ufer stand. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen.Ein Sämann ging aus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel einiges auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es auf. 5 Wieder anderes fiel auf steinigen Grund, wo es nicht viel Erdreich hatte. Und es schoss rasch auf, weil es kein tiefes Erdreich fand. 6 Als aber die Sonne aufging, wurde es versengt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Anderes aber fiel unter die Dornen und die Dornen wuchsen auf und erstickten es. 8 Anderes schließlich fiel auf gutes Erdreich und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 9 Wer Ohren hat, der höre!
Weiter: Wie ist es vernünftig, Samen unter Dornen oder auf felsigen Grund oder an den Weg zu säen? Bei dem materiellen Samen und Boden dieser Welt wäre es freilich nicht vernünftig; denn es ist unmöglich, dass ein Fels zu Boden wird, oder dass der Weg nicht Weg bleibt, oder dass Dornen nicht Dornen sind. Bei den Gesinnungen und Lehren aber ist es anders; dort ist es möglich, dass der Fels zu fruchtbarem Boden wird, dass der Weg nicht mehr betreten wird und dass die Dornen ausgerottet werden. Dass der größte Teil des Samens zugrunde ging, kam nicht von dem, der säte, sondern von dem Boden, der ihn aufnahm, das heißt von der Gesinnung. Denn der Sämann machte keinen Unterschied zwischen Reich und Arm, Weise oder Töricht, sondern sprach zu allen gleichermaßen; er erfüllte seinen Teil, obwohl er alles voraussah, was geschehen würde, sodass er sagen konnte: Was hätte ich tun sollen, das ich nicht getan habe? (Jes. 5,4) Er spricht nicht offen das Urteil über sie und sagt: Diesen hat der Träge empfangen und verloren, diesen der Reiche und erstickt, diesen der Nachlässige und verloren, weil er sie nicht hart tadeln wollte, um sie nicht ganz zu entfremden. Durch dieses Gleichnis belehrt er auch seine Jünger, dass sie, obwohl der größere Teil derer, die sie hörten, verloren ging, deshalb nicht nachlässig werden sollten; denn der Herr selbst, der alles voraussah, hörte deshalb nicht auf zu säen.