
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 12
1 In jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger aber hatten Hunger und machten sich daran, Ähren abzurupfen und zu essen. 2 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu ihm: Schau, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist. 3 Er aber sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter hungrig waren? 4 Wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die Schaubrote aßen, die weder er noch seine Begleiter essen durften, sondern nur die Priester? 5 Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? 6 Ich sage euch: Hier ist mehr als der Tempel. 7 Hättet ihr erkannt, was das heißt: Erbarmen will ich und nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt. 8 Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
(Hon. xxxix.) Warum also führte Er sie am Sabbat durch die Kornfelder, da Er doch alles wusste, wenn Er nicht den Sabbat brechen wollte? Das wollte Er zwar, aber nicht unbedingt; daher brach Er ihn nicht ohne Grund, sondern lieferte einen hinreichenden Grund; sodass Er sowohl das Gesetz aufhob als auch nicht dagegen verstieß. Um also die Juden zu besänftigen, führt Er hier eine natürliche Notwendigkeit ein; das ist es, was gesagt wird: Und seine Jünger, da sie hungerten, begannen Ähren zu pflücken und zu essen. Obwohl es bei Dingen, die offensichtlich sündhaft sind, keine Entschuldigung geben kann – wer einen anderen tötet, kann nicht Wut vorschützen, noch wer Ehebruch begeht, Lust oder irgendeinen anderen Grund –, so befreit Er sie hier, indem Er sagt, dass die Jünger hungerten, von jeder Anklage.