
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 1
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach zu ihm: Josef, Sohn Davids, scheu dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, ist vom Heiligen Geist.
Oder: Der Engel erschien dem Joseph, als er in dieser Verwirrung war, damit seine Weisheit dem Joseph offenbar werde und dies ihm ein Beweis für die Dinge sei, die er sprach. Denn als er aus dem Mund des Engels eben jene Dinge hörte, die er bei sich selbst dachte, war dies ein unzweifelhafter Beweis, dass er ein Bote von Gott war, der allein die Geheimnisse des Herzens kennt. Auch die Darstellung des Evangelisten ist über jeden Verdacht erhaben, da er beschreibt, dass Joseph alles empfand, was ein Ehemann wahrscheinlich empfinden würde. Die Jungfrau wurde auch dadurch mehr vom Verdacht entfernt, dass ihr Mann Eifersucht empfunden hatte, sie dennoch zu sich nahm und nach ihrer Empfängnis bei sich behielt. Sie hatte Joseph nicht die Dinge erzählt, die der Engel zu ihr gesagt hatte, weil sie nicht annahm, dass ihr Mann ihr glauben würde, besonders da er begonnen hatte, Verdacht gegen sie zu hegen. Aber der Jungfrau verkündete der Engel ihre Empfängnis, bevor sie geschah, damit sie nicht in Bedrängnis gerate, wenn er es bis danach aufschieben würde. Und es ziemte sich, dass die Mutter, die den Schöpfer aller Dinge empfangen sollte, von aller Not frei blieb. Nicht nur befreit der Engel die Jungfrau von aller Unreinheit, sondern zeigt, dass die Empfängnis übernatürlich war, indem er nicht nur seine Furcht beseitigt, sondern auch Grund zur Freude hinzufügt, indem er sagt: „Denn was in ihr geboren ist, ist vom Heiligen Geist.“