Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 14
32 Sie kamen zu einem Gehöft namens Getsemani und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, während ich bete. 33 Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und begann zu erschauern und zu verzagen. 34 Und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibt hier und wacht. 35 Dann ging er ein wenig weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn es möglich wäre, an ihm vorübergehe. 36 Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. 37 Doch nicht was ich will, sondern was du willst. Und er kam zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntest du nicht eine Stunde wachen? 38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber schwach. 39 Wiederum ging er weg und betete mit den gleichen Worten. 40 Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend; denn die Augen waren ihnen schwer geworden und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. 41 Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft weiter und ruht! Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert. 42 Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter ist da.
Damit Er durch Sein zweites Gebet sich als wahren Menschen erweise. Es geht weiter: Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend; Er aber tadelte sie nicht streng. Denn ihre Augen waren schwer (das heißt vom Schlaf), und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Daran erkenne die Schwachheit der Menschen, und lass uns, die sogar der Schlaf überwinden kann, nicht Dinge versprechen, die uns unmöglich sind. Deshalb geht Er zum dritten Mal weg, um das oben erwähnte Gebet zu beten. Daher heißt es weiter: Und er kommt zum dritten Mal und spricht zu ihnen: Schlaft nun und ruht. Er ist nicht heftig gegen sie, obwohl sie nach Seinem Tadel Schlimmeres getan hatten, sondern Er sagt ihnen ironisch: Schlaft nun und ruht, weil Er wusste, dass der Verräter jetzt nahe war. Und dass Er ironisch sprach, ist offensichtlich aus dem, was hinzugefügt wird: Es ist genug, die Stunde ist gekommen; siehe, der Menschensohn wird in die Hände der Sünder verraten. Er sagt dies, gleichsam ihren Schlaf verspottend, als hätte Er gesagt: Jetzt ist wahrlich eine Zeit zum Schlafen, da der Verräter naht. Dann sagt Er: Steht auf, lasst uns gehen; siehe, der mich verrät, ist nahe; Er sagte dies nicht, um sie zur Flucht aufzufordern, sondern damit sie ihren Feinden entgegenträten.