Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 14
3 Als er in Betanien im Hause Simons des Aussätzigen zu Tisch lag, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echter, kostbarer Nardensalbe, zerbrach das Gefäß und goss es über sein Haar. 4 Aber einige sagten unwillig zueinander: Wozu diese Verschwendung des Salböls? 5 Man hätte das Öl für mehr als dreihundert Denare verkaufen und den Erlös den Armen geben können. Und sie schalten sie. 6 Jesus aber sagte: Lasst sie! Was kränkt ihr sie? Sie hat eine gute Tat an mir getan. 7 Denn Arme habt ihr ja allezeit bei euch und könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Was sie vermochte, hat sie getan; sie hat im voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Wo immer auf der ganzen Welt das Evangelium verkündet wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.
Doch obwohl die vier Evangelisten die Salbung durch eine Frau berichten, waren es zwei Frauen und nicht eine; die eine wird von Johannes beschrieben, die Schwester des Lazarus; sie war es, die sechs Tage vor dem Pascha die Füße Jesu salbte; eine andere wird von den übrigen drei Evangelisten beschrieben. Ja, wenn du es untersuchst, wirst du drei finden; denn eine wird von Johannes beschrieben, eine andere von Lukas, eine dritte von den beiden anderen. Denn jene, die von Lukas beschrieben wird, wird als Sünderin bezeichnet und soll zu Jesus während der Zeit seiner Predigt gekommen sein; diese aber, die von Matthäus und Markus beschrieben wird, soll zur Zeit des Leidens gekommen sein, und sie bekannte nicht, dass sie eine Sünderin gewesen war.