Pseudo-Hieronymus
Catena Aurea · Markusevangelium 12
41 Er setzte sich dem Opferkasten gegenüber und sah zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten warfen. Viele Reiche warfen viel hinein. 42 Da kam eine arme Witwe und warf zwei Lepta hinein, das ist ein Quadrans. 43 Da rief er seine Jünger zu sich und sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle anderen. 44 Denn alle haben nur von ihrem Überfluss gegeben; sie aber hat in ihrer Armut alles eingeworfen, was sie zum Leben hatte.
Im mystischen Sinne aber sind jene reich, die aus dem Schatz ihres Herzens Neues und Altes hervorbringen, das sind die dunklen und verborgenen Dinge der göttlichen Weisheit in beiden Testamenten; wer aber ist die arme Frau, wenn nicht ich und die mir Gleichen, die einlegen, was ich kann, und den Willen haben, euch zu erklären, wo ich nicht die Kraft habe. Denn Gott betrachtet nicht, wie viel ihr hört, sondern was der Vorrat ist, aus dem es kommt; aber jeder kann jedenfalls sein Scherflein bringen, das heißt einen bereiten Willen, der Scherflein genannt wird, weil er von drei Dingen begleitet wird, das heißt Gedanke, Wort und Tat. Und darin, dass gesagt wird, sie habe ihren ganzen Lebensunterhalt eingelegt, ist angedeutet, dass alles, was der Leib braucht, das ist, wodurch er lebt; deshalb heißt es: Alle Mühe des Menschen ist für seinen Mund. (Prediger 6,7)