
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Markusevangelium 11
11 Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Nachdem er sich alles ringsum angesehen hatte, ging er, da es schon spät war, mit den Zwölf nach Betanien hinaus. 12 Als sie tags darauf von Betanien weggegangen waren, hatte er Hunger. 13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, ob er vielleicht etwas (Essbares) an ihm fände. Als er aber zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. 14 Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
(in Matt. Hom. 67) Wie kommt es, dass er am Morgen hungerte, wie Matthäus sagt, wenn er es nicht aus Ökonomie seinem Fleisch erlaubte? Es folgt: Und als er von ferne einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er vielleicht etwas daran fände. Nun ist es offensichtlich, dass dies eine Vermutung der Jünger ausdrückt, die dachten, dass Christus aus diesem Grund zum Feigenbaum kam und dass er verflucht wurde, weil er keine Frucht daran fand. Denn es geht weiter: Und als er hingekommen war, fand er nichts als Blätter; denn es war noch nicht die Zeit der Feigen. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Niemand esse fortan Frucht von dir in Ewigkeit. Er verflucht also den Feigenbaum um seiner Jünger willen, damit sie Glauben an ihn hätten. Denn er verteilte überall Segnungen und bestrafte niemanden, doch zugleich war es richtig, ihnen einen Beweis seiner strafenden Macht zu geben, damit sie lernten, dass er sogar die verfolgenden Juden verdorren lassen konnte; er wollte diesen Beweis jedoch nicht an Menschen geben, daher zeigte er ihnen an einer Pflanze ein Zeichen seiner Macht zu strafen. Dies beweist, dass er hauptsächlich aus diesem Grund zum Feigenbaum kam und nicht wegen seines Hungers, denn wer ist so töricht anzunehmen, dass er am Morgen so sehr die Schmerzen des Hungers fühlte, oder was hinderte den Herrn, vor seinem Aufbruch von Bethanien zu essen? Man kann auch nicht sagen, dass der Anblick der Feigen seinen Appetit zum Hunger reizte, denn es war nicht die Zeit der Feigen; und wenn er hungerte, warum suchte er nicht anderswo Nahrung, statt von einem Feigenbaum, der vor seiner Zeit keine Frucht bringen konnte? Welche Strafe verdiente auch ein Feigenbaum dafür, dass er vor seiner Zeit keine Frucht hatte? Aus all dem können wir schließen, dass er seine Macht zeigen wollte, damit ihre Herzen nicht durch sein Leiden gebrochen würden.