Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 11
11 Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Nachdem er sich alles ringsum angesehen hatte, ging er, da es schon spät war, mit den Zwölf nach Betanien hinaus. 12 Als sie tags darauf von Betanien weggegangen waren, hatte er Hunger. 13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, ob er vielleicht etwas (Essbares) an ihm fände. Als er aber zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. 14 Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
(ubi sup.) Als die Zeit seines Leidens nahte, wollte der Herr sich dem Ort seines Leidens nähern, um anzudeuten, dass er den Tod aus eigenem Willen auf sich nahm; daher heißt es: Und Jesus ging nach Jerusalem hinein und in den Tempel. Und indem er beim ersten Betreten der Stadt zum Tempel ging, zeigt er uns im Voraus eine Form der Religion, der wir folgen sollen, dass wir, wenn wir zufällig an einen Ort kommen, wo ein Bethaus ist, zuerst dorthin einkehren sollten. Wir sollen auch daraus verstehen, dass die Armut des Herrn so groß war und er so weit davon entfernt war, Menschen zu schmeicheln, dass er in einer so großen Stadt niemanden fand, der ihn beherbergte, keinen Bleibeort, sondern in einem kleinen Landort bei Lazarus und seinen Schwestern lebte; denn Bethanien ist ein Weiler der Juden. Daher folgt: Und als er alles ringsum betrachtet hatte (das heißt, um zu sehen, ob jemand ihn aufnehmen würde), und es war schon Abend geworden, ging er hinaus nach Bethanien mit den Zwölfen. Und dies tat er nicht nur einmal, sondern während aller fünf Tage, von der Zeit, da er nach Jerusalem kam, bis zum Tag seines Leidens, tat er immer dasselbe; tagsüber lehrte er im Tempel, nachts aber ging er hinaus und wohnte am Ölberg. Es geht weiter: Und am nächsten Tag, als sie von Bethanien kamen, hungerte ihn.