
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Markusevangelium 10
35 Da kamen Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich euch tun soll? 37 Sie sagten zu ihm: Gewähre uns, dass der eine von uns zu deiner Rechten und der andere zu deiner Linken sitzen darf in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber antwortete ihnen: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke oder die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde? 39 Sie antworteten ihm: Wir können es. Jesus aber sagte zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. 40 Aber das Sitzen zu meiner Rechten oder zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben, sondern es wird denen zuteil, für die es bereitet ist.
(ubi sup.) Wo zwei Fragen aufgeworfen werden, eine ist, ob ein Sitz zur Rechten Seiner Hand für jemanden bereitet ist; die andere, ob der Herr aller es nicht in Seiner Macht hat, ihn denen zu geben, für die er bereitet ist. Zur ersten sagen wir also, dass niemand zur Rechten oder zur Linken Seiner Hand sitzt, denn jener Thron ist für ein Geschöpf unzugänglich. Wie sagte Er dann: Zur Rechten oder zur Linken Meiner Hand zu sitzen, ist nicht Meine Sache, euch zu geben, als ob es einigen gehörte, dort zu sitzen? Er antwortet jedoch den Gedanken derer, die Ihn fragten, indem Er sich zu ihrer Bedeutung herablässt; denn sie kannten jenen hohen Thron und Sitz nicht, der zur Rechten des Vaters ist, sondern suchten allein eines, das heißt, den ersten Platz zu besitzen und über andere gesetzt zu sein. Und da sie von den Aposteln gehört hatten, dass sie auf zwölf Thronen sitzen würden, baten sie um einen Platz höher als alle anderen, ohne zu wissen, was gesagt wurde. Zur zweiten Frage müssen wir sagen, dass eine solche Gabe nicht die Macht des Sohnes Gottes übersteigt, sondern was bei Matthäus (Mt 20,23) gesagt wird: es ist von Meinem Vater bereitet, ist dasselbe, als ob gesagt würde: „von Mir“, weshalb auch Markus hier nicht sagte: von Meinem Vater. Was also Christus hier sagt, ist dies: Ihr werdet sterben, sagt Er, für Mich, aber das ist nicht genug, um euch den höchsten Platz zu erlangen, denn wenn eine andere Person kommt, die außer dem Martyrium alle anderen Tugenden besitzt, wird sie viel mehr besitzen als ihr; denn der erste Platz ist für die bereitet, die durch Werke befähigt sind, die Ersten zu werden. So belehrte der Herr sie, sich nicht vergeblich und absurd um hohe Plätze zu bemühen; zugleich wollte Er nicht, dass sie traurig gemacht würden.