Pseudo-Hieronymus
Catena Aurea · Markusevangelium 1
9 In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er, dass sich der Himmel öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Und eine Stimme sprach aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
Auch moralisch kann es ausgelegt werden; auch wir, vom flüchtigen Weltgetriebe durch den Duft und die Reinheit der Blumen fortgezogen, eilen mit den jungen Mädchen dem Bräutigam nach (vgl. Cant. 1,2.3) und werden im Sakrament der Taufe gewaschen, aus den beiden Quellen der Liebe zu Gott und zum Nächsten, durch die Gnade der Vergebung, und steigen durch die Hoffnung empor und schauen mit den Augen eines reinen Herzens auf die himmlischen Geheimnisse. Dann empfangen wir in einem zerknirschten und demütigen Geist, mit Einfalt des Herzens, den Heiligen Geist, der zu den Sanftmütigen herabkommt und in uns bleibt durch eine niemals versagende Liebe. Und die Stimme des Herrn vom Himmel richtet sich an uns, die Geliebten Gottes: Selig die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden; (Mt. 5,9) und dann hat der Vater mit dem Sohn und dem Heiligen Geist Wohlgefallen an uns, wenn wir mit Gott zu einem Geist gemacht werden.