
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
38 Es war auch eine Aufschrift über ihm angebracht: Das ist der König der Juden. 39 Einer der gehenkten Übeltäter verhöhnte ihn: Bist du nicht der Messias? Hilf dir selbst und uns! 40 Doch der andere wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott, obwohl dich doch das gleiche Urteil getroffen hat? 41 Uns allerdings mit Recht; denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Hier übt der Verurteilte das Amt des Richters aus, und er beginnt über die Wahrheit zu entscheiden, der vor Pilatus sein Verbrechen erst nach vielen Foltern bekannte. Denn das Urteil des Menschen, vor dem verborgene Dinge verborgen sind, ist von einer Art; das Urteil Gottes, der das Herz eines anderen erforscht, von einer anderen. Und im ersteren Fall folgt die Strafe nach dem Bekenntnis, hier aber wird das Bekenntnis zum Heil abgelegt. Aber er erklärt Christus auch für unschuldig und fügt hinzu: Dieser aber hat nichts Unrechtes getan: als wollte er sagen: Siehe, ein neues Unrecht, dass die Unschuld mit dem Verbrechen verurteilt wird. Wir töten den Lebenden, Er erweckte die Toten. Wir haben anderen gestohlen, Er gebietet uns, sogar das Unsere aufzugeben. Der selige Schächer lehrte so die Umstehenden, indem er die Worte äußerte, mit denen er den anderen zurechtwies. Als er aber sah, dass die Ohren der Umstehenden verschlossen waren, wendet er sich an Den, der die Herzen kennt; denn es folgt: Und er sagte zu Jesus: Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Du erblickst den Gekreuzigten und erkennst Ihn als deinen Herrn an. Du siehst die Gestalt eines verurteilten Verbrechers und verkündest die Würde eines Königs. Mit tausend Verbrechen befleckt, bittest du die Quelle der Gerechtigkeit, deiner Bosheit zu gedenken, indem du sagst: Aber ich entdecke dein verborgenes Reich; und du wendest meine öffentlichen Ungerechtigkeiten ab und nimmst den Glauben einer geheimen Absicht an. Die Bosheit riss den Jünger der Wahrheit an sich, die Wahrheit aber veränderte nicht den Jünger der Bosheit.