
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
38 Es war auch eine Aufschrift über ihm angebracht: Das ist der König der Juden. 39 Einer der gehenkten Übeltäter verhöhnte ihn: Bist du nicht der Messias? Hilf dir selbst und uns! 40 Doch der andere wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott, obwohl dich doch das gleiche Urteil getroffen hat? 41 Uns allerdings mit Recht; denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
(Mor. 18. c. 40.) Am Kreuz hatten Nägel seine Hände und Füße durchbohrt, und nichts blieb von der Folter frei außer seinem Herzen und seiner Zunge. Durch die Eingebung Gottes brachte der Schächer Ihm das Ganze dar, was er frei vorfand, damit, wie geschrieben steht, er mit dem Herzen zum Glauben an die Gerechtigkeit und mit dem Mund zum Bekenntnis des Heils gelange. (Röm 10,10.) Aber die drei Tugenden, von denen der Apostel spricht, (1 Kor 13,13.) empfing und bewahrte der Schächer, plötzlich von Gnade erfüllt, am Kreuz. Er hatte den Glauben, zum Beispiel, der glaubte, dass Gott herrschen würde, den er mit sich selbst sterbend sah. Er hatte die Hoffnung, der um Eingang in Sein Reich bat. Er bewahrte auch die Liebe eifrig in seinem Tod, der wegen seiner Missetat seinen Bruder und Mit-Schächer zurechtwies, der für ein ähnliches Verbrechen wie das seine starb.