
Athanasius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
33 Als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Verbrecher, den einen zur Rechten und den anderen zur Linken.
(de Inc. Verb. Dei.) Nun kam unser Heiland, um nicht seinen eigenen Tod, sondern den des Menschen zu vollbringen, denn Er, der das Leben ist, erfuhr nicht den Tod. Daher legte Er den Leib nicht durch seinen eigenen Tod ab, sondern Er erduldete das, was von Menschen zugefügt wurde. Aber obwohl sein Leib gequält und vor aller Augen aufgelöst wurde, ziemte es sich doch nicht, dass Er, der die Krankheiten anderer heilen sollte, an seinem eigenen Leib von Krankheit heimgesucht würde. Wenn Er jedoch ohne jede Krankheit seinen Leib an einem abgelegenen Ort abgelegt hätte, würde man Ihm nicht glauben, wenn Er von seiner Auferstehung sprach. Denn der Tod muss der Auferstehung vorausgehen; warum sollte Er dann seine Auferstehung offen verkünden, aber heimlich sterben? Wahrlich, wenn diese Dinge heimlich geschehen wären, welche Verleumdungen hätten ungläubige Menschen erfunden? Wie würde der Sieg Christi über den Tod erscheinen, wenn Er ihn nicht vor aller Augen erlitten und bewiesen hätte, dass er durch die Unverderblichkeit seines Leibes verschlungen ist? Du wirst aber sagen: Wenigstens hätte Er sich einen glorreichen Tod ausdenken sollen, um den Tod des Kreuzes zu vermeiden. Aber wenn Er das getan hätte, hätte Er sich selbst verdächtig gemacht, keine Macht über jede Art von Tod zu haben. Wie nun der Kämpfer, indem er jeden niederstreckt, den der Feind ihm entgegenstellt, als allen überlegen erwiesen wird, so nahm das Leben aller Menschen jenen Tod auf sich, den seine Feinde zufügten, weil er der schrecklichste und schändlichste war, der abscheuliche Tod am Kreuz, damit Er ihn vernichte und die Herrschaft des Todes gänzlich gestürzt werde. Deshalb wird ihm nicht der Kopf abgeschlagen wie Johannes; Er wurde nicht zersägt wie Jesaja, damit Er seinen Leib ganz und unteilbar bis zum Tod bewahre und nicht denen ein Vorwand werde, die die Kirche spalten wollen. Denn Er wollte den Fluch der Sünde, den wir auf uns geladen hatten, tragen, indem Er den verfluchten Tod des Kreuzes auf sich nahm, wie es heißt: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt. Er stirbt auch am Kreuz mit ausgebreiteten Händen, damit Er mit der einen das alte Volk, mit der anderen die Heiden zu sich ziehe und beide mit sich verbinde. Sterbend am Kreuz reinigt Er auch die Luft von bösen Geistern und bereitet uns einen Aufstieg in den Himmel.