Pseudo-Augustinus
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
54 Sie nahmen ihn fest, führten ihn fort und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus folgte von weitem. 55 Als sie aber mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus mitten unter sie. 56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen, blickte ihn genau an und sagte: Der war auch bei ihm. 57 Er aber leugnete und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. 58 Kurz darauf sah ihn ein anderer und sagte: Auch du bist einer von ihnen. Petrus aber sagte: Mann, ich bin es nicht. 59 Ungefähr eine Stunde später behauptete ein anderer: Wahrhaftig, der war auch bei ihm; er ist doch auch ein Galiläer. 60 Petrus aber entgegnete: Mann, ich weiß nicht, was du meinst. Sogleich, während er noch redete, krähte ein Hahn. 61 Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an; und Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(App. Serm. 79.) Denn Petrus wurden die Schlüssel des Himmelreichs übergeben, ihm wurde eine unzählige Menge von Menschen anvertraut, die in Sünde verstrickt waren. Aber Petrus war etwas zu heftig, wie das Abschlagen des Ohres des Knechtes des Hohenpriesters andeutet. Wenn also der, der so streng und so hart war, die Gabe der Sündlosigkeit erlangt hätte, welche Vergebung hätte er dann dem ihm anvertrauten Volk gewährt? Daher lässt die göttliche Vorsehung zu, dass er zuerst von der Sünde ergriffen wird, damit er durch das Bewusstsein seines eigenen Falls sein zu hartes Urteil gegenüber Sündern mildere. Als er sich am Feuer wärmen wollte, kam eine Magd zu ihm, von der es folgt: Aber eine gewisse Magd sah ihn usw.