Gregor von Nyssa
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
39 Er ging hinaus und begab sich nach seiner Gewohnheit zum Ölberg; die Jünger folgten ihm. 40 Als er an den Ort gelangt war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet. 41 Und er trennte sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: 42 Vater, wenn du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.
Doch was bedeutet Sein Knien? Wovon es heißt: Und Er kniete nieder und betete. Es ist die Art der Menschen, zu ihren Vorgesetzten mit dem Angesicht zur Erde zu beten und durch die Handlung zu bezeugen, dass der Größere von beiden der ist, der angefleht wird. Nun ist es klar, dass die menschliche Natur nichts enthält, was Gottes Nachahmung würdig wäre. Dementsprechend haben wir die Zeichen der Ehrerbietung, die wir einander erweisen, indem wir uns als geringer als unsere Nächsten bekennen, auf die Demütigung der unvergleichlichen Natur übertragen. Und so beugte der, der unsere Krankheiten trug und für uns eintrat, im Gebet Seine Knie, wegen des Menschen, den Er annahm, und gab uns ein Beispiel, dass wir uns zur Zeit des Gebets nicht erheben sollen, sondern in allem der Demut gleichförmig sein sollen; denn Gott widersteht den Stolzen, aber den Demütigen gibt Er Gnade. (Jak 4,6; 1 Petr 5,5.)