
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
35 Er sagte zu ihnen: Als ich euch ohne Beutel und Tasche und Schuhe aussandte, hat es euch da an irgendetwas gemangelt? Sie antworteten: An nichts. 36 Da sagte er zu ihnen: Jetzt aber soll der, der einen Beutel hat, ihn mitnehmen, ebenfalls eine Tasche; und wer kein Schwert hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür eines kaufen. 37 Denn ich sage euch: Dieses Schriftwort muss sich an mir erfüllen: Er wurde zu den Übeltätern gezählt. Denn was mir bestimmt ist, geht jetzt in Erfüllung. 38 Da sagten sie: Herr, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Es ist genug!
(in illud ad Rom. 16. Salutate Priscillam.) Wie nun einer, der das Schwimmen lehrt, zunächst zwar seine Hände unter seine Schüler legt und sie sorgfältig stützt, später aber häufig seine Hand zurückzieht und ihnen befiehlt, sich selbst zu helfen, ja sie sogar ein wenig sinken lässt; so verfuhr auch Christus mit Seinen Jüngern. Am Anfang war Er ihnen wahrhaft gegenwärtig und gab ihnen überreichlich Fülle aller Dinge; wie es folgt: Und sie sprachen zu ihnen: Nichts. Als es aber notwendig war, dass sie ihre eigene Kraft zeigten, entzog Er ihnen für eine Weile Seine Gnade und befahl ihnen, etwas aus sich selbst zu tun; wie es folgt: Aber jetzt, wer einen Geldbeutel hat, das heißt, um Geld darin zu tragen, der nehme ihn, und ebenso eine Tasche, das heißt, um Vorräte darin zu tragen. Und wahrlich, als sie weder Schuhe noch Gürtel noch Stab noch Geld hatten, litten sie niemals Mangel an irgendetwas. Als Er ihnen aber Geldbeutel und Tasche erlaubte, schienen sie Hunger, Durst und Nacktheit zu leiden. Als ob Er zu ihnen sagte: Bisher wurde euch alles aufs reichlichste zugeteilt, jetzt aber will ich, dass ihr auch die Armut erfahrt; daher halte ich euch nicht länger an die frühere Regel, sondern ich befehle euch, Geldbeutel und Tasche zu besorgen. Gott hätte sie sogar bis zum Ende in Fülle erhalten können, aber aus vielen Gründen wollte Er es nicht. Erstens, damit sie sich nichts selbst zuschrieben, sondern anerkannten, dass alles von Gott floss; zweitens, damit sie Mäßigung lernten; drittens, damit sie nicht zu hoch von sich dachten. Deshalb ließ Er zu, dass sie in viele unerwartete Übel gerieten, und lockerte die Strenge des früheren Gesetzes, damit es nicht beschwerlich und unerträglich würde.