Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
35 Er sagte zu ihnen: Als ich euch ohne Beutel und Tasche und Schuhe aussandte, hat es euch da an irgendetwas gemangelt? Sie antworteten: An nichts. 36 Da sagte er zu ihnen: Jetzt aber soll der, der einen Beutel hat, ihn mitnehmen, ebenfalls eine Tasche; und wer kein Schwert hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür eines kaufen. 37 Denn ich sage euch: Dieses Schriftwort muss sich an mir erfüllen: Er wurde zu den Übeltätern gezählt. Denn was mir bestimmt ist, geht jetzt in Erfüllung. 38 Da sagten sie: Herr, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Es ist genug!
Denn Er bildet Seine Jünger nicht nach derselben Lebensregel in Zeiten der Verfolgung aus wie in Zeiten des Friedens. Als Er sie zum Predigen sandte, befahl Er ihnen, nichts auf dem Weg mitzunehmen, und ordnete in Wahrheit an, dass der, der das Evangelium predigt, vom Evangelium leben soll. Als aber die Krise des Todes nahe war und das ganze Volk sowohl den Hirten als auch die Herde verfolgte, schlägt Er ein der Zeit angepasstes Gesetz vor und erlaubt ihnen, die notwendigen Lebensbedürfnisse mitzunehmen, bis die Wut der Verfolger nachließ und die Zeit der Verkündigung des Evangeliums zurückkehrte. Hierin lässt Er uns auch ein Beispiel, dass wir zu Zeiten, wenn ein gerechter Grund drängt, ohne Schuld etwas von der Strenge unserer Bestimmung nachlassen dürfen.