
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
27 Da sagte er: Dann bitte ich dich, Vater, ihn in das Haus meines Vaters zu schicken 28 -- ich habe nämlich fünf Brüder --, um sie zu warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30 Er entgegnete: Nein, Vater Abraham! Erst wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 31 Doch Abraham sagte zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.
(de cura pro Mortuis habenda.) Aber jemand könnte sagen: Wenn die Toten keine Sorge für die Lebenden haben, wie bat dann der Reiche Abraham, dass er Lazarus zu seinen fünf Brüdern senden solle? Aber weil er dies sagte, wusste der Reiche deshalb, was seine Brüder taten oder in welchem Zustand sie sich damals befanden? Seine Sorge um die Lebenden war so beschaffen, dass er dennoch völlig unwissend sein konnte, was sie taten, so wie wir uns um die Toten sorgen, obwohl wir nichts von dem wissen, was sie tun. Aber wiederum erhebt sich die Frage: Woher wusste Abraham, dass Mose und die Propheten hier in ihren Büchern sind? Woher hatte er auch gewusst, dass der Reiche in Luxus gelebt hatte, Lazarus aber in Bedrängnis? Gewiss nicht, als diese Dinge zu ihren Lebzeiten geschahen, sondern bei ihrem Tod konnte er es durch die Erzählung des Lazarus erfahren, damit nicht falsch sei, was der Prophet sagt: Abraham hörte uns nicht. (Jes. 63,10.) Die Toten könnten auch etwas von den Engeln hören, die stets gegenwärtig sind bei den Dingen, die hier geschehen. Sie könnten auch einige Dinge wissen, die sie wissen mussten, nicht nur vergangene, sondern auch zukünftige, durch die Offenbarung der Kirche Gottes.