
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
10 Jesus lehrte am Sabbat in einer Synagoge. 11 Da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren einen Krankheitsdämon hatte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr ganz aufrichten. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: Frau, du bist von deiner Krankheit erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig darüber, dass Jesus am Sabbat geheilt hatte, sagte zu den Leuten: Sechs Tage gibt es, an denen man arbeiten darf; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbat! 15 Der Herr entgegnete ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon achtzehn Jahre lang gefesselt hielt, musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden? 17 Als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt, und das ganze Volk freute sich über alles Herrliche, was durch ihn geschah.
Zu Recht also nennt er den Synagogenvorsteher einen Heuchler, denn er hatte das Aussehen eines Gesetzesbeobachters, aber in seinem Herzen war er ein listiger und neidischer Mensch. Denn es beunruhigt ihn nicht, dass der Sabbat gebrochen wird, sondern dass Christus verherrlicht wird. Nun beachte: Wann immer Christus befiehlt, ein Werk zu tun (wie als Er dem Gichtbrüchigen befahl, sein Bett zu nehmen), erhebt Er Seine Worte zu etwas Höherem und überzeugt die Menschen durch die Majestät des Vaters, wie Er sagt: Mein Vater wirkt bis jetzt, und Ich wirke. (Joh 5,17.) Aber an dieser Stelle, da Er alles durch ein Wort tut, fügt Er nichts weiter hinzu und widerlegt ihre Verleumdung durch eben die Dinge, die sie selbst taten.