
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
10 Jesus lehrte am Sabbat in einer Synagoge. 11 Da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren einen Krankheitsdämon hatte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr ganz aufrichten. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: Frau, du bist von deiner Krankheit erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig darüber, dass Jesus am Sabbat geheilt hatte, sagte zu den Leuten: Sechs Tage gibt es, an denen man arbeiten darf; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbat! 15 Der Herr entgegnete ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon achtzehn Jahre lang gefesselt hielt, musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden? 17 Als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt, und das ganze Volk freute sich über alles Herrliche, was durch ihn geschah.
Nun wird der Synagogenvorsteher als Heuchler überführt, weil er sein Vieh am Sabbat zur Tränke führt, diese Frau aber, nicht mehr durch Geburt als durch Glauben eine Tochter Abrahams, hielt er für unwürdig, von der Kette ihrer Krankheit gelöst zu werden. Daher fügt Er hinzu: Und sollte diese Frau, die eine Tochter Abrahams ist, die Satan, siehe, achtzehn Jahre gebunden hielt, nicht von dieser Fessel am Sabbat gelöst werden? Der Vorsteher zog es vor, dass diese Frau wie die Tiere auf die Erde blickte, statt ihre natürliche Gestalt zu empfangen, vorausgesetzt, dass Christus nicht verherrlicht würde. Aber sie hatten nichts zu antworten; sie verurteilten sich selbst unwiderlegbar. Daher folgt: Und als Er dies gesagt hatte, schämten sich alle Seine Gegner. Das Volk aber, das großen Nutzen aus Seinen Wundern zog, freute sich über die Zeichen, die es sah, wie es folgt: Und das ganze Volk freute sich. Denn die Herrlichkeit Seiner Werke besiegte jeden Skrupel bei denen, die Ihn nicht mit verderbtem Herzen suchten.