
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
27 Betrachtet die Lilien, wie sie weder spinnen noch weben. Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. 28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen! 29 So fragt denn auch ihr nicht, was ihr essen und was ihr trinken werdet, und seid nicht in ängstlicher Unruhe; 30 denn nach all dem trachten die Völker der Welt. Euer Vater aber weiß, dass ihr das braucht. 31 Sucht vielmehr sein Reich; dann wird euch alles das dazugegeben.
(Hom. 22. in Matt.) Er verwendet hier nicht das Beispiel der Vögel, indem er einen Schwan oder einen Pfau erwähnt, sondern die Lilien, denn er will die Beweisführung nach beiden Seiten stärken, das heißt sowohl durch die Geringheit der Dinge, die solche Ehre erlangt haben, als auch durch die Vortrefflichkeit der ihnen verliehenen Ehre; und daher nennt er sie kurz darauf nicht Lilien, sondern Gras, wie es heißt: Wenn nun Gott das Gras so kleidet, das heute ist – er sagt nicht: das morgen nicht ist, sondern: das morgen in den Ofen geworfen wird –; und er sagt nicht einfach: Gott kleidet, sondern er sagt: Gott kleidet so, was viel bedeutet, und fügt hinzu: wie viel mehr euch, was seine Wertschätzung und Fürsorge für das Menschengeschlecht ausdrückt. Schließlich, als er tadeln muss, verfährt er auch hier mit Milde und tadelt sie nicht wegen Unglaubens, sondern wegen Kleinmut im Glauben, indem er hinzufügt: O ihr Kleingläubigen, damit er uns umso mehr dazu aufrüttle, seinen Worten zu glauben, dass wir nicht nur keine Sorge um unsere Kleidung tragen, sondern nicht einmal die Eleganz der Kleidung bewundern.