
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
59 Am achten Tag kamen sie, um das Kind zu beschneiden, und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. 60 Seine Mutter aber entgegnete: Nein, er soll Johannes heißen. 61 Sie antworteten ihr: Niemand ist in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. 62 Sie winkten nun seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. 63 Er verlangte ein Täfelchen und schrieb die Worte: Johannes ist sein Name. Alle wunderten sich. 64 Sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge (gelöst) und er sprach und pries Gott.
(in Gen. Hom. 39.) Der Ritus der Beschneidung wurde zuerst Abraham als Zeichen der Unterscheidung übergeben, damit das Geschlecht der Patriarchen in unvermischter Reinheit bewahrt würde und so die Verheißungen erlangen könnte. Da aber nun die Verheißung des Bundes erfüllt ist, wird das ihr beigefügte Zeichen entfernt. So hörte also durch Christus die Beschneidung auf, und die Taufe trat an ihre Stelle; doch zuerst war es richtig, dass Johannes beschnitten wurde; wie es heißt: Und es geschah, dass am achten Tag, usw. Denn der Herr hatte gesagt: Das Kind von acht Tagen soll unter euch beschnitten werden. (Gen. 17,13.) Aber diese Zeitbemessung wurde meiner Meinung nach aus zwei Gründen von der göttlichen Barmherzigkeit angeordnet. Erstens, weil das Kind in seinen zartesten Jahren das Abschneiden des Fleisches leichter erträgt. Zweitens, damit wir schon aus der Handlung selbst daran erinnert würden, dass sie als Zeichen geschah; denn das kleine Kind unterscheidet kaum etwas von dem, was um es herum ist. Nach der Beschneidung aber wurde der Name verliehen, wie es folgt: Und sie nannten ihn. Dies geschah aber, weil wir zuerst das Siegel des Herrn empfangen müssen, dann den Namen des Menschen. Oder weil kein Mensch, außer er hat zuvor seine fleischlichen Begierden abgelegt, die die Beschneidung bezeichnet, würdig ist, seinen Namen im Buch des Lebens geschrieben zu haben.