
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
8 Die Nachbarn und die Leute, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Die einen sagten: Ja, er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind denn deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, hat einen Teig gemacht, meine Augen damit bestrichen und zu mir gesagt: Geh zum Schiloach und wasche dich! Ich bin also hingegangen, habe mich gewaschen und konnte sehen. 12 Da fragten sie ihn: Wo ist er denn? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den ehemals Blinden zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, an dem Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er sagte zu ihnen: Er hat einen Teig auf meine Augen gelegt, dann habe ich mich gewaschen und nun sehe ich. 16 Da meinten einige der Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott (gesandt), weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen wirken? So war Zwiespalt unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was hälst du von ihm? Hat er dir doch die Augen geöffnet? Er antwortete: Er ist ein Prophet.
(Hom. lvii. 2) Sie übergehen das Wunder mit Schweigen und betonen so sehr wie möglich die angebliche Übertretung; sie klagen Ihn nicht an, am Sabbat geheilt zu haben, sondern den Sabbat nicht gehalten zu haben. Andere sagten: Wie kann ein Mensch, der ein Sünder ist, solche Wunder tun? Sie waren von Seinen Wundern beeindruckt, aber nur auf schwache und unentschlossene Weise. Denn obwohl solche sie hätten erkennen lassen können, dass der Sabbat nicht gebrochen wurde; hatten sie noch keine Vorstellung davon, dass Er Gott war, und wussten daher nicht, dass es der Herr des Sabbats war, der das Wunder gewirkt hatte. Auch wagte keiner von ihnen offen zu sagen, was er dachte, sondern sie sprachen zweideutig; der eine, weil er die Tatsache selbst für unwahrscheinlich hielt; der andere aus Liebe zu seiner Stellung. Es folgt: Und es entstand eine Spaltung unter ihnen. Das heißt, das Volk war zuerst gespalten, und dann die Herrscher.