
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
1 Im Vorübergehen sah er einen Mann, der von Geburt an blind war. 2 Seine Jünger fragten ihn: Rabbi, wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. 4 Ich muss die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Nach diesen Worten spie er auf den Boden, machte einen Teig aus dem Speichel, strich ihm den Teig auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh, wasche dich im Teich Schiloach!, das heißt übersetzt: Gesandter. Da ging er fort, wusch sich und kam sehend zurück.
(viii. Moral. c. xxx. [49.]) Oder so: Unter seinem Speichel verstehe man den Geschmack der inneren Beschauung. Er fließt vom Haupt in den Mund und gibt uns den Geschmack der Offenbarung aus dem göttlichen Glanz schon in diesem Leben. Die Mischung seines Speichels mit Lehm ist die Mischung der übernatürlichen Gnade, ja der Beschauung seiner selbst mit unserem fleischlichen Wissen, zur Erleuchtung der Seele und Wiederherstellung des menschlichen Verstandes aus seiner ursprünglichen Blindheit.