
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
1 Im Vorübergehen sah er einen Mann, der von Geburt an blind war. 2 Seine Jünger fragten ihn: Rabbi, wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. 4 Ich muss die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Nach diesen Worten spie er auf den Boden, machte einen Teig aus dem Speichel, strich ihm den Teig auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh, wasche dich im Teich Schiloach!, das heißt übersetzt: Gesandter. Da ging er fort, wusch sich und kam sehend zurück.
(Tr. xlv. 2) Unser Herr spuckte auf die Erde und machte einen Brei aus dem Speichel, weil Er das fleischgewordene Wort war. Der Mann sah nicht sofort, als er gesalbt wurde; d. h. er war gleichsam nur ein Katechumene. Aber er wurde zum Teich gesandt, der Siloah heißt, d. h. er wurde in Christus getauft; und dann wurde er erleuchtet. Der Evangelist erklärt uns dann den Namen dieses Teiches: was übersetzt „Gesandt“ bedeutet; denn wenn Er nicht gesandt worden wäre, wäre keiner von uns von unseren Sünden erlöst worden.