
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und doch befolgt keiner von euch das Gesetz. Warum wollt ihr mich töten? 20 Das Volk antwortete: Du bist von einem Dämon besessen! Wer will dich töten? 21 Jesus antwortete ihnen: Ein einziges Werk habe ich vollbracht, und ihr alle wundert euch darüber. 22 Mose hat euch die Beschneidung gegeben -- nicht, dass sie von Mose stammte, sondern von den Vätern --, und ihr beschneidet einen Menschen am Sabbat. 23 Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz des Mose nicht übertreten wird, was zürnt ihr mir, weil ich am Sabbat einen Menschen am ganzen Leib gesund gemacht habe? 24 Urteilt nicht nach dem Schein, sondern fällt ein gerechtes Urteil!
(Tr. xxx. s. 7) Was unser Herr uns hier zu vermeiden lehrt, nämlich nach der Person zu richten, ist in dieser Welt sehr schwer zu unterlassen. Seine Ermahnung an die Juden ist auch eine Ermahnung an uns; denn jeder Satz, den unser Herr gesprochen hat, wurde für uns geschrieben, für uns bewahrt und zu unserem Nutzen gelesen. Unser Herr ist oben; aber unser Herr ist als die Wahrheit auch hier. Der Leib, mit dem er auferstanden ist, kann nur an einem Ort sein, aber seine Wahrheit ist überall verbreitet. Wer also ist der, der nicht nach der Person richtet? Der, der alle gleichermaßen liebt. Denn es ist nicht die Gewährung unterschiedlicher Ehrenbezeugungen nach der Stellung, die uns der Annahme der Person schuldig macht. Es kann ein Fall zwischen Vater und Sohn zu entscheiden sein: wir sollten den Sohn nicht dem Vater in der Ehre gleichstellen; aber in Bezug auf die Wahrheit, wenn er die bessere Sache hat, sollten wir ihm den Vorzug geben; und so jedem das Seine geben, damit die Gerechtigkeit nicht das Verdienst zerstört.