
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und doch befolgt keiner von euch das Gesetz. Warum wollt ihr mich töten? 20 Das Volk antwortete: Du bist von einem Dämon besessen! Wer will dich töten? 21 Jesus antwortete ihnen: Ein einziges Werk habe ich vollbracht, und ihr alle wundert euch darüber. 22 Mose hat euch die Beschneidung gegeben -- nicht, dass sie von Mose stammte, sondern von den Vätern --, und ihr beschneidet einen Menschen am Sabbat. 23 Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz des Mose nicht übertreten wird, was zürnt ihr mir, weil ich am Sabbat einen Menschen am ganzen Leib gesund gemacht habe? 24 Urteilt nicht nach dem Schein, sondern fällt ein gerechtes Urteil!
(Hom. xlix. 3) Er sagt jedoch nicht: Ich habe ein größeres Werk als die Beschneidung getan; sondern stellt nur die Tatsache fest und überlässt ihnen das Urteil, indem er sagt: Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein gerechtes Gericht: als wollte er sagen: Richtet nicht, weil Mose bei euch einen größeren Namen hat als ich, nach dem Grad der persönlichen Vorrangstellung; sondern richtet nach der Natur der Sache selbst, denn das heißt gerecht richten. Niemand jedoch hat Mose getadelt, dass er den Sabbat dem Gebot der Beschneidung weichen ließ, die nicht aus dem Gesetz stammte, sondern aus einer anderen Quelle. Mose befiehlt also, das Gesetz zu brechen, um einem Gebot Geltung zu verschaffen, das nicht vom Gesetz stammt: und er ist glaubwürdiger als ihr.