
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
14 Als das Fest schon zur Hälfte vorüber war, ging Jesus zum Tempel hinauf und lehrte. 15 Da wunderten sich die Juden und sagten: Wie kann er die Schrift verstehen, ohne Unterricht erhalten zu haben? 16 Da antwortete ihnen Jesus: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. 17 Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich in eigener Verantwortung spreche. 18 Wer in eigener Verantwortung spricht, sucht seine eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.
(Hom. xlix. 1) Das ist so viel wie: Legt den Zorn, den Neid und den Hass ab, die ihr gegen mich hegt, und nichts wird euch daran hindern, zu erkennen, dass die Worte, die ich spreche, von Gott sind. Dann führt er ein unwiderstehliches Argument aus der menschlichen Erfahrung an: Wer von sich selbst redet, sucht seine eigene Ehre; als ob er sagte: Wer danach strebt, eine eigene Lehre aufzustellen, tut dies zu keinem anderen Zweck, als Ehre zu erlangen. Ich aber suche die Ehre dessen, der mich gesandt hat, und will euch um seinetwillen, d. h. eines anderen wegen, lehren; und dann folgt: Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und es ist keine Ungerechtigkeit in ihm.