
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 6
55 Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist; (es ist) nicht wie jenes, das euere Väter gegessen haben und (doch) gestorben sind. Wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit leben. 59 Das sagte er, als er in der Synagoge zu Kafarnaum lehrte.
(Tr. xxvi. s. 19) Er sagt nicht: Wie ich den Vater esse und durch den Vater lebe, so wird auch, wer mich isst, durch mich leben. Denn der Sohn wird nicht besser durch die Teilhabe am Vater, wie wir durch die Teilhabe am Sohn, d. h. an seinem einen Leib und Blut, was dieses Essen und Trinken bedeutet. So darf sein Wort: Ich lebe durch den Vater, weil er von ihm ist, nicht so verstanden werden, dass es seine Gleichheit mindert. Auch die Worte: Auch wer mich isst, wird durch mich leben, geben uns nicht die Gleichheit, die er hat. Er macht nicht gleich, sondern vermittelt nur zwischen Gott und Mensch. Wenn wir jedoch die Worte: Ich lebe durch den Vater, im Sinne der untenstehenden verstehen: Mein Vater ist größer als ich, (c. 14:28) dann ist es, als ob er sagte: Dass ich durch den Vater lebe, d. h. mein Leben auf ihn als meinen Höheren beziehe, hat meine Erniedrigung in meiner Menschwerdung als Ursache; aber wer durch mich lebt, lebt durch mich kraft der Teilhabe an meinem Fleisch.