
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
21 Denn wie der Vater die Toten erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. 22 Der Vater richtet ja auch niemand, sondern er hat alles Gericht dem Sohn übergeben, 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
(xxi. s. 13) Zuerst zwar erschien der Sohn als Knecht, und der Vater wurde als Gott geehrt. Aber der Sohn wird als dem Vater gleich gesehen werden, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. 1Doch was, wenn sich Personen finden, die den Vater ehren und den Sohn nicht ehren? Das kann nicht sein: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Es ist eines, Gott als Gott anzuerkennen; und ein anderes, ihn als den Vater anzuerkennen. Wenn du Gott den Schöpfer anerkennst, erkennst du einen allmächtigen, höchsten, ewigen, unsichtbaren, unveränderlichen Geist an. Wenn du den Vater anerkennst, erkennst du in Wirklichkeit den Sohn; denn er könnte nicht der Vater sein, hätte er nicht den Sohn. Aber wenn du den Vater als größer, den Sohn als geringer ehrst, so nimmst du, soweit du dem Sohn weniger Ehre gibst, von der Ehre des Vaters weg. Denn du denkst in Wirklichkeit, dass der Vater den Sohn nicht gleich sich selbst zeugen konnte oder wollte; wenn er es nicht wollte, war er neidisch, wenn er es nicht konnte, war er schwach. (Tr. xxiii. s. 13). Oder: Damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren; bezieht sich auf die Auferstehung der Seelen, die das Werk des Sohnes wie auch des Vaters ist. Aber die Auferstehung des Leibes ist in dem gemeint, was folgt: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Hier gibt es kein wie; der Mensch Christus wird geehrt, aber nicht wie der Vater, der ihn gesandt hat, da er in Bezug auf seine Menschheit selbst sagt: Mein Vater ist größer als ich. (Tr. xxi. s. 17). Aber jemand wird sagen: Wenn der Sohn vom Vater gesandt ist, ist er geringer als der Vater. Lass deine fleischlichen Handlungen und verstehe eine Sendung, nicht eine Trennung. Menschliche Dinge täuschen, göttliche Dinge machen klar; obwohl sogar menschliche Dinge gegen dich Zeugnis ablegen, z. B. wenn ein Mann einer Frau die Ehe anbietet und sie nicht selbst gewinnen kann, sendet er einen Freund, der größer ist als er, um für ihn zu werben. Aber siehe den Unterschied in menschlichen Dingen. Ein Mensch geht nicht mit dem, den er sendet; aber der Vater, der den Sohn sandte, hörte nie auf, mit dem Sohn zu sein; wie wir lesen: Ich bin nicht allein, sondern der Vater ist mit mir. (c. 16)