
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
19 Da antwortete ihnen Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann von sich aus nichts tun, was er nicht den Vater tun sieht. Denn was jener tut, das tut der Sohn in gleicher Weise. 20 Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihm noch größere Werke als diese zeigen, sodass ihr euch wundern werdet.
(Tr. xxi. s. 5) Aber nun kehren wir von dem, den wir als gleich ewig mit dem Vater bezeichneten, der den Vater sah und existierte, indem Er sah, zu den Dingen der Zeit zurück: Und Er wird ihm größere Werke zeigen als diese. Aber wenn Er ihm zeigen wird, d. h. zeigen will, hat Er ihm noch nicht gezeigt; und wenn Er ihm zeigt, werden auch andere sehen; (Tr. xix). denn es folgt: damit ihr glaubt. Es ist schwierig zu sehen, was der ewige Vater in der Zeit dem gleich ewigen Sohn zeigen kann, der alles kennt, was im Geist des Vaters ist. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen Er will. Tote aufzuerwecken war ein größeres Werk als Kranke zu heilen. Aber dies wird erklärt, wenn man bedenkt, dass Er, der kurz zuvor als Gott sprach, nun als Mensch zu sprechen beginnt. Als Mensch und daher in der Zeit lebend, werden Ihm größere Werke in der Zeit gezeigt werden. Die Körper werden wieder auferstehen durch die menschliche Heilsordnung, durch die der Sohn Gottes in der Zeit das Menschsein annahm; die Seelen aber durch die Kraft der Ewigkeit der göttlichen Substanz. Deshalb wurde zuvor gesagt, dass der Vater den Sohn liebte und Ihm zeigte, was Er alles tat. Denn der Vater zeigt dem Sohn, dass Seelen auferweckt werden; denn sie werden vom Vater und vom Sohn auferweckt, so wie sie nicht leben können, es sei denn Gott gibt ihnen Leben. (Tr. xxi). Oder der Vater will dies uns zeigen, nicht Ihm; gemäß dem, was folgt: damit ihr glaubt. Dies ist der Grund, warum der Vater Ihm größere Dinge zeigen wird als diese. Aber warum sagte Er nicht: wird euch zeigen, statt: dem Sohn? Weil wir Glieder des Sohnes sind, und Er gleichsam in seinen Gliedern lernt, so wie Er in uns leidet. Denn wie Er sagt: Was ihr einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan: (Mt 25,40) so, wenn wir Ihn fragen, wie Er, der Lehrer aller Dinge, lernt, antwortet Er: Wenn einer der geringsten meiner Brüder lernt, lerne Ich.