
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
13 Jesus antwortete ihr: Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. 14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser in das ewige Leben sprudelt. 15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher zu kommen brauche, um zu schöpfen. 16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 18 Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.
(Tr. xv. c. 15–18) Oder so: Die Frau versteht Ihn noch nur nach dem Fleisch. Sie freut sich, für immer vom Durst befreit zu werden, und nimmt diese Verheißung unseres Herrn im fleischlichen Sinne auf. Denn Gott hatte einst seinem Diener Elija gewährt, dass er vierzig Tage weder hungerte noch dürstete; und wenn Er dies für vierzig Tage gewähren konnte, warum nicht für immer? Begierig, eine solche Gabe zu besitzen, bittet sie Ihn um das lebendige Wasser; Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen. Ihre Armut zwang sie, mehr zu arbeiten, als ihre Kraft gut ertragen konnte; möchte sie doch hören: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken. (Mat. 11:28) Jesus hatte genau dies gesagt, nämlich dass sie nicht mehr arbeiten müsse; aber sie verstand Ihn nicht. Schließlich beschloss unser Herr, dass sie verstehen sollte: Jesus spricht zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm her! Was bedeutet das? Wollte Er ihr das Wasser durch ihren Mann geben? Oder wollte Er sie, weil sie nicht verstand, durch ihren Mann belehren? Der Apostel sagt zwar von den Frauen: Wenn sie etwas lernen wollen, sollen sie ihre Männer zu Hause fragen. (1 Kor. 14:35) Aber das gilt nur, wo Jesus nicht anwesend ist. Unser Herr Selbst war hier anwesend; warum sollte Er dann durch ihren Mann zu ihr sprechen? War es durch ihren Mann, dass Er zu Maria sprach, die zu Seinen Füßen saß?