
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 3
19 Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht; denn ihre Taten waren böse. 20 Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Taten offenbar werden; denn sie sind in Gott.
(Hom. xxvii. 2) Niemand tadelt einen Heiden, weil seine eigene Praxis mit dem Charakter seiner Götter übereinstimmt; sein Leben entspricht seinen Lehren. Aber einen Christen, der in Bosheit lebt, müssen alle verurteilen. Wenn es irgendwelche Heiden gibt, deren Leben gut ist, kenne ich sie nicht. Aber gibt es denn keine Heiden? könnte man fragen. Denn erzähle mir nicht von den von Natur aus Liebenswürdigen und Ehrlichen; das ist keine Tugend. Aber zeige mir einen, der starke Leidenschaften hat und weise lebt. Du kannst nicht. Denn wenn die Verkündigung eines Reiches und die Drohungen der Hölle und andere Beweggründe die Menschen kaum tugendhaft erhalten, wenn sie es sind, werden solche Aufrufe sie kaum dazu bringen, Tugend überhaupt zu erlangen. Heiden, wenn sie etwas hervorbringen, das gut aussieht, tun es um eitler Ehre willen und werden daher gleichzeitig, wenn sie unbemerkt bleiben können, auch ihre bösen Begierden befriedigen. Und welchen Nutzen hat die Nüchternheit und Anständigkeit des Lebenswandels eines Menschen, wenn er ein Sklave der eitlen Ehre ist? Der Sklave der eitlen Ehre ist nicht weniger ein Sünder als ein Unzüchtiger; ja, er sündigt sogar öfter und schwerer. Doch selbst angenommen, es gibt einige wenige Heiden mit gutem Leben, so beeinflussen diese seltenen Ausnahmen nicht mein Argument.