
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 20
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala in aller Frühe, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 2 Da kam sie zu Simon Petrus gelaufen und zu dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. 3 Da machten sich Petrus und der andere Jünger auf und gingen zum Grab. 4 Die beiden liefen miteinander, aber der andere Jünger war schneller als Petrus und kam zuerst an das Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden daliegen; hinein ging er jedoch nicht. 6 Dann kam auch Petrus hinter ihm her. Er ging in das Grab hinein und sah die Leinenbinden daliegen 7 und das Schweißtuch, das seinen Kopf bedeckt hatte; aber es lag nicht bei den Leinenbinden, sondern für sich zusammengefaltet an einer besonderen Stelle. 8 Hierauf ging auch der andere Jünger, der zuerst zum Grab gekommen war, hinein und sah und glaubte. 9 Denn noch hatten sie die Schrift nicht verstanden, dass er von den Toten auferstehen musste.
(Hom. lxxxv) Als er kam, sah er die Leinentücher beiseite gelegt: Und er bückte sich und schaute hinein und sah die Leinentücher liegen. Aber er suchte nicht weiter: doch ging er nicht hinein. Petrus hingegen, von hitzigerem Temperament, setzte die Suche fort und untersuchte alles: Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab und sah die Leinentücher liegen, und das Schweißtuch, das um sein Haupt gewesen war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Diese Umstände waren ein Beweis für seine Auferstehung. Denn hätten sie ihn weggetragen, hätten sie ihn nicht entkleidet; noch, wenn jemand ihn gestohlen hätte, hätte er sich die Mühe gemacht, das Schweißtuch zusammenzuwickeln und es an einen besonderen Ort zu legen, getrennt von den Leinentüchern; sondern hätte den Leichnam so weggenommen, wie er war. Johannes erwähnte die Myrrhe zuerst aus diesem Grund, d. h. um euch zu zeigen, dass er nicht gestohlen worden sein konnte. Denn Myrrhe würde das Leinen am Körper haften lassen und so den Dieben Mühe bereiten, und sie wären nie so unsinnig gewesen, diese unnötige Mühe in der Sache auf sich zu nehmen. Nach Petrus jedoch ging Johannes hinein: Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und er sah und glaubte.