Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Johannesevangelium 2
18 Da wandten sich die Juden an ihn und sagten: Was für ein Zeichen zeigst du uns vor als Beweis, dass du dies tun darfst? 19 Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. 20 Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? 21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. 22 Als er dann von den Toten auferstanden war, erinnerten sich die Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
(ad loc. fin.) Hieraus zieht Apollinarius eine häretische Schlussfolgerung: und versucht zu zeigen, dass Christi Fleisch leblos war, weil der Tempel leblos war. Auf diese Weise wirst du beweisen, dass das Fleisch Christi Holz und Stein ist, weil der Tempel aus diesen Materialien besteht. Wenn du nun nicht zulassen willst, dass die Worte: Jetzt ist meine Seele betrübt (Joh 12,27) und: Ich habe Macht, sie (mein Leben) hinzugeben (ebd. 10,18) von der vernünftigen Seele gesagt sind, wie willst du dann deuten: In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist? (Lk 23,46) Du kannst dies nicht von einer unvernünftigen Seele verstehen: oder wiederum die Stelle: Du wirst meine Seele nicht dem Totenreich überlassen. (Ps 16,11)