Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Johannesevangelium 19
23 Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu kam noch das Untergewand. Es war ohne Naht, von oben an in einem Stück durchgewebt. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen ihn nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt und um mein Gewand das Los geworfen. So also machten es die Soldaten.
Das Gewand ohne Naht bezeichnet den Leib Christi, der von oben gewebt wurde; denn der Heilige Geist kam über die Jungfrau, und die Kraft des Höchsten überschattete sie. Dieser heilige Leib Christi ist also unteilbar; denn obwohl er ausgeteilt wird, damit jeder an ihm teilhabe und die Seele und den Leib jedes Einzelnen heilige, besteht er doch in allen ganz und unteilbar. Da die Welt aus vier Elementen besteht, müssen die Gewänder Christi so verstanden werden, dass sie die sichtbare Schöpfung darstellen, die die Dämonen unter sich aufteilen, sooft sie das Wort Gottes, das in uns wohnt, dem Tod überliefern und uns durch weltliche Verlockungen auf ihre Seite bringen.