
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 19
23 Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu kam noch das Untergewand. Es war ohne Naht, von oben an in einem Stück durchgewebt. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen ihn nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt und um mein Gewand das Los geworfen. So also machten es die Soldaten.
(Tract. cxviii) Und niemand sage, dass diese Dinge keine gute Bedeutung hätten, weil sie von bösen Menschen getan wurden; denn wenn dem so wäre, was sollen wir dann vom Kreuz selbst sagen? Denn es wurde von gottlosen Menschen gemacht, und doch wurde dadurch gewiss bezeichnet, was die Breite und Länge und Tiefe und Höhe ist (Eph. 3,18), wie der Apostel sagt. Seine Breite besteht aus einem Querbalken, auf dem die Hände dessen ausgestreckt werden, der daran hängt. Dies bezeichnet die Breite der Liebe und die darin getanen guten Werke. Seine Länge besteht aus einem bis zum Boden reichenden Balken und bezeichnet die Ausdauer in der Länge der Zeit. Die Höhe ist die Spitze, die über den Querbalken hinausragt, und bezeichnet das hohe Ziel, auf das sich alles bezieht. Die Tiefe ist der Teil, der im Boden befestigt ist; dort ist er verborgen, aber das ganze Kreuz, das wir sehen, erhebt sich daraus. Ebenso gehen alle unsere guten Werke aus der Tiefe der unbegreiflichen Gnade Gottes hervor. Aber obwohl das Kreuz Christi nur das bezeichnet, was der Apostel sagt: „Die aber Christus angehören, haben das Fleisch gekreuzigt mit den Leidenschaften und Begierden“ (Gal. 5,24), wie groß ist das Gute? Schließlich, was ist das Zeichen Christi anderes als das Kreuz Christi? Dieses Zeichen muss auf die Stirnen der Gläubigen aufgetragen werden, auf das Wasser der Wiedergeburt, auf das Öl der Chrisam, auf das Opfer, durch das wir genährt werden, oder nichts davon ist zum Leben nützlich.