
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Johannesevangelium 17
1 Als Jesus das gesagt hatte, erhob er seine Augen zum Himmel und betete: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. 2 Denn du hast ihm Macht über alles Fleisch gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3 Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den wahren Gott, erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. 4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht, ich habe das Werk vollendet, das zu vollbringen du mir aufgetragen hast. 5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
(iii. Tr. c. 10) Er sagt nicht, daß der Tag oder die Zeit, sondern daß die Stunde gekommen ist. Eine Stunde enthält einen Teil eines Tages. Was war diese Stunde? Er sollte nun angespien, gegeißelt, gekreuzigt werden. Aber der Vater verherrlicht den Sohn. Die Sonne versagte in ihrem Lauf, und mit ihr fühlten alle anderen Elemente den Tod. Die Erde bebte unter dem Gewicht unseres am Kreuz hängenden Herrn und bezeugte, daß sie nicht die Macht hatte, Den in sich zu halten, Der da starb. Der Hauptmann rief aus: Wahrlich, dieser war der Sohn Gottes. (Mt 27,54) Das Ereignis entsprach der Vorhersage. Unser Herr hatte gesagt: Verherrliche Deinen Sohn, und bezeugte damit, daß Er nicht dem Namen nach Sohn war, sondern eigentlich der Sohn. Deinen Sohn, sagt Er. Viele von uns sind Söhne Gottes; aber nicht so ist der Sohn. Denn Er ist der eigentliche, wahre Sohn von Natur, nicht durch Adoption, in Wahrheit, nicht dem Namen nach, durch Geburt, nicht durch Erschaffung. Daher folgte nach Seiner Verherrlichung auf die Offenbarung der Wahrheit das Bekenntnis. Der Hauptmann bekennt Ihn als den wahren Sohn Gottes, damit keiner Seiner Gläubigen bezweifle, was einer Seiner Verfolger nicht leugnen konnte.