
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie die zugleich mit ihr gekommenen Juden weinten, geriet er in zornige Erregung 34 und sagte: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh. 35 Da weinte Jesus. 36 Da sagten die Juden: Seht, wie lieb er ihn hatte! 37 Einige aber sagten: Konnte er, der die Augen des Blinden geöffnet hat, nicht auch verhindern, dass dieser starb? 38 Jesus geriet erneut in Zorn und ging zum Grab. Es war eine Höhle und ein Stein lag davor. 39 Jesus sagte: Hebt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht schon; er ist schon vier Tage tot. 40 Jesus erwiderte ihr: Habe ich dir nicht gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du glaubst? 41 Da nahmen sie den Stein weg, Jesus aber erhob seine Augen und betete: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
(Hom. lxiii. 1) Es waren seine Feinde, die dies sagten. Gerade die Werke, die seine Macht hätten bezeugen sollen, wenden sie gegen ihn, als hätte er sie nicht wirklich vollbracht. So sprechen sie über das Wunder der Öffnung der Augen des Blindgeborenen. Sie fällen sogar ein Vorurteil über Christus, bevor er zum Grab gekommen ist, und haben nicht die Geduld, den Ausgang der Sache abzuwarten. Jesus nun, wieder in sich seufzend, kommt zum Grab. Dass er weinte und seufzte, wird erwähnt, um uns die Wirklichkeit seiner menschlichen Natur zu zeigen. Johannes, der sich zu höheren Aussagen über seine Natur erhebt als jeder der anderen Evangelisten, steigt auch tiefer herab als jeder bei der Beschreibung seiner leiblichen Affekte.