
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe. 12 Der Lohnknecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt, wenn er den Wolf kommen sieht, die Schafe im Stich und flieht -- und der Wolf raubt und versprengt sie. 13 Denn er ist ein Lohnknecht und an den Schafen liegt ihm nichts.
(Hom. xiv. in Evang.) Und Er fügt hinzu, was jene Güte (forma bonitatis) ist, zur Nachahmung für uns: Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe. Er tat, was Er gebot, Er gab das Beispiel dessen, was Er befahl: Er legte sein Leben für die Schafe nieder, damit Er seinen Leib und sein Blut in unserem Sakrament verwandle und die Schafe, die Er erlöst hatte, mit seinem Fleisch nähre. Ein Weg wird uns gezeigt, auf dem wir wandeln sollen, den Tod verachtend; ein Siegel wird uns aufgeprägt, und wir müssen uns dem Eindruck unterwerfen. Unsere erste Pflicht ist, unsere äußeren Güter für die Schafe aufzuwenden; unsere letzte, wenn es notwendig ist, unser Leben für dieselben Schafe hinzugeben. Wer den Schafen nicht sein Vermögen gibt, wie kann er für sie sein Leben hingeben?