
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
47 Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Wirklich, ein Israelit, in dem nichts Falsches ist. 48 Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. 49 Natanaël sagte zu ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel. 50 Jesus antwortete ihm: Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als das wirst du sehen. 51 Und er sagte zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes über dem Menschensohn auf- und niedersteigen sehen.
(in Verb. Dom.) Erinnern wir uns an den alttestamentlichen Bericht. Jakob sah im Traum eine Leiter, die von der Erde zum Himmel reichte; der Herr ruhte auf ihr, und die Engel stiegen auf und nieder auf ihr. Schließlich errichtete Jakob selbst, der verstand, was die Vision bedeutete, einen Stein und goss Öl darauf. (Gen. 28,12.) Als er den Stein salbte, machte er da ein Götzenbild? Nein: Er errichtete nur ein Symbol, nicht einen Gegenstand der Anbetung. Du siehst hier die Salbung; siehe auch den Gesalbten. Er ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben. Wenn Jakob, der Israel genannt wurde, die Leiter sah, und Nathanael ein wahrer Israelit war, so war es passend, dass unser Herr ihm Jakobs Traum erzählte; als ob er sagte: Dessen Namen du trägst, sein Traum ist dir erschienen: denn du wirst den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Menschensohn. Wenn sie auf Ihn herabsteigen und zu Ihm aufsteigen, dann ist Er sowohl oben als auch hier unten zugleich; oben in Sich selbst, unten in Seinen Gliedern.